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Was hält einen Betrieb geistig wach?

Professor Burow ist überzeugt, dass ein Betrieb geistig wach bleibt, wenn einerseits offene (Spiel–)Räume geschaffen werden und damit nur soviel Ordnung und Regulierung wie notwendig verlangt wird. Andererseits soll keine Reorganisation nur der Reorganisation wegen angepackt werden. Es gilt Stabilität und Vitalität sinnvoll miteinander zu verbinden.

Falls Sie Details zum Thema "Was hält einen Berieb geistig wach?" wissen möchten, so lesen Sie doch das nachfolgende Interview mit Professor Olaf-Axel Burow:

Herr Professor Burow, Organisationen neigen zu struktureller Verfestigung und geistiger Verkrustung. Wie ist dem entgegenzuwirken?

Die Kunst, einen Betrieb geistig wach, funktional lebendig und situativ aufgeschlossen zu erhalten, besteht keineswegs darin, routinemässig von Zeit zu Zeit alles umzukrempeln, nichts zur Ruhe und zu einer gewissen in sich stabilen Stetigkeit kommen zu lassen. Wichtig ist, Stabilität und Vitalität sinnvoll miteinander zu verbinden.

Sie plädieren also für ein organisatorisches Sowohl-als-auch. Wie meinen Sie das genau?

Ordnung ist mit Blick auf die heutigen fluiden betrieblichen Umweltbedingungen ein zunehmend relativ zu sehender Erfolgsfaktor. Unter den Bedingungen permanenter Veränderungen kommt es darauf an, innerbetrieblich so viel Spielräume wie möglich zuzulassen und nur noch so viel Ordnung wie nötig zu schaffen. Nur aus Unterschieden entsteht Dynamik. Nur ein Betrieb, der über innere Vielfalt verfügt, kann sich in der äusseren Vielfalt behaupten. In diesem Sinne brauchen Betriebe die heilsamen, belebenden Kräfte der Unordnung.

Das heisst, die traditionelle Struktur- und Ablauforganisation nach Möglichkeiten zu situativ spontaner, stimulierender Zusammenarbeit zu ergänzen?

Ja, ohne ein gewisses Mass an gewollter betrieblicher Unordnung, sprich Regelungsfreiheit, und die Unterstützung der Fähigkeit zur Improvisation in diesen offenen Räumen droht einem Betrieb die Vergreisung.

In Ihren Büchern orientieren Sie sich bei dieser Vorstellung an der Jazzmusik.

Richtig, die habe ich als Vorbild dafür im Kopf. Musik lässt sich auf zwei Arten machen: aus dem Nachspielen einer vorgegebenen Partitur, anhand deren entschieden werden kann, ob richtig oder falsch gespielt wurde. Oder nach der Art des sogenannten Jamming im Jazz, indem auf Grund stillschweigender Übereinkünfte über ein gemeinsames Thema improvisiert wird. Die Kunst besteht darin, aus der Begegnung im Spiel heraus spontan neue Notenkombinationen zu entwickeln, die überraschend sind und gut klingen. Gelingt es, einfühlsam aufeinander zu hören und sich synergetisch zu ergänzen, dann entsteht ein kreatives Feld und etwas faszinierend, mitreissend Neues.

In dieser Fähigkeit zur Improvisation sehen Sie folglich eine der wichtigsten Eigenschaften, die sich Unternehmen mit Blick auf die immer weniger vorhersagbare Zukunft aneignen sollten?

Unbedingt. Im Kern geht es darum, ein bestimmtes Umfeld für eine bestimmte Form der Unordnung zu schaffen. Dabei handelt es sich immer um einen Balanceakt zwischen Form und Freiheit, Disziplin und Kunst. Formales und Neues müssen laufend miteinander konfrontiert werden. Dadurch entsteht aus sich selbst, aus dem Arbeitsprozess heraus immer wieder etwas Neues, nämlich Innovation.

Und der Betrieb bleibt mental fit?

So ist es. So wie in der Wissenschaft eine zu starke Orientierung an den eigenen Standards und an dem für vernünftig gehaltenen Wissen die Gefahr birgt, blinde Flecken entstehen zu lassen, so kann ein zu starkes innerbetriebliches Ordnungsgefüge die betriebliche Vitalität lähmen und den Betrieb hindern, mit neuen, originellen Schritten auf seine existenziellen Herausforderungen zu reagieren.

(NZZ 12. Juni 2002: Interview mit Professor Olaf-Axel Burow - er ist Pädagoge und Organisationsentwickler und lehrt an der Universität / Gesamthochschule Kassel)

 

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